Die Yogaübung der Baum und die ruhige Sammlung

 

Die Yogaübung "der Baum" heißt auf Sanskrit: tadasana.  Dies bedeutet in genauer Übersetzung "der Berg", doch scheint das Bild des Baumes passender für die Bedeutung und den Ausdruck der Yogaübung.

Der Baum als Yogaübung ist dem Herzzentrum, anahata-cakra, zugeordnet und durch eine ruhige, sammelnde Wirkung charakterisiert.

 

Wie entsteht das Gefühl der ruhigen Sammlung bei der Übung tadasana, dem Baum?

 

Im Baum steht man aufgerichtet und erlebt sich auch in dieser aufgerichteten Haltung. Damit ist auch das bewusste Erleben der aufrechten, senkrenten Linie, der Vertikalität verbunden. Mit den Füßen steht man auf dem Boden und die Beine, Hüften, der Oberkörper mit der Wirbelsäule und der Kopf sind aufgerichtet. Der Kopf ist ganz oben und im Gegensatz zu den Füßen nicht auf dem Boden, sondern zum Himmel oder Kosmos angehoben.

Die Beobachtung zur vertikalen Aufrichtung gibt ein erstes Gefühl von Zentriertheit.

 

Zu dem aufrechten Stand kommt nun das Gleichgewicht dazu. Man verlässt den gewohnten sicheren Stand auf zwei Beinen und winkelt ein Bein nach innen (entweder mit der Fußsohle an die Innenseite des anderen Beines oder eingewinkelt in die Leiste). Unmittelbar muss man wacher werden und sowohl sich selbst im Stand kontrollierend wahrnehmen als auch nach außen mit den Sinnen aktiv eingebunden bleiben. Schließt man die Augen, so beginnt man sofort zu schwanken und es gelingt meist nur kurz, die Balance mit geschlossenen Augen zu bewahren. Man erlebt sich selbst oder den eigenen aufgerichteten Stand im Verhältnis zur äußeren Umgebung und stimmt diesen auf das Außen ab. Durch diese innere Aktivität zentriert man sich im eigenen Selbst und erlebt dadurch eine ruhige Sammlung mit Beobachtung zu sich selbst und gleichzeitiger Wachheit nach außen.

 

Hier kann man sich zur meditativen Betrachtung die Frage stellen: Wer oder welche Instanz in einem selbst steuert diese Beobachtungen?

 

Ruhige Sammlung ist keine abgeschlossene Innerlichkeit, sondern immer verbunden mit einer erhöhten Wachheit zur äußeren Umgebung.

 

 

Von außen, der Umgebung, nach innen zum Herzen formt sich

durch die Gestik der Arme die Mitte in dieser Asana.


 

Ein kurzer Zyklus mit Gleichgewichtsstellungen und dem Baum wäre beispielsweise folgender:

 

Baum - Dreieck - Zehenspitzenstellung - Kopfstand - Skorpion (kann man auch auslassen) - Halbmond - Baum mit Variationen