Zeichnungen, skizzen ...

Die Yogaübungen zu zeichnen, zu malen oder in einfachen schnellen Linien darzustellen ist eine schöne Möglichkeit, einen feineren Sinn für ihre Bewegungsformen und harmonischen Abstimmungen zu entwickeln. Mit der Absicht sie zu zeichnen schaut man ganz anderes hin, die Augen werden wacher und entdecken Zusammenhänge, die man beim bloßen Üben leicht übersieht.

 

Auch als Laie kann man das machen - deshalb möchte ich auch noch kurz anmerken, dass meine Bilder einfach aus Freude an den Übungen und am Zeichnen und Malen entstanden sind und ich kein gelernter Profi bin. Mit Acryl habe ich jetzt erst angefangen und deshalb sind die Bilder wirklich laienhaft und in einer Anfängerphase. Aber eben deshalb veröffentliche ich sie auch, weil es vielleicht eine Anregung ist für alle, die gerne auf diese Art künstlerisch kreativ arbeiten wollen, auch wenn man denkt, es ist ja noch nicht gut, perfekt oder künstlerisch genug... 

In diesem Sinn wünsche ich euch viel Freude beim Schauen, Zeichnen, Gestalten und Üben!

 

Beim Zeichnen von Yogastellungen lebt man sich gewissermaßen auch die Bewegungsmöglichkeit eines anderen Menschen hinein.

 

Wenn man selbst in eine Übung nicht so weit hineinkommt - zum Beispiel beim Dreieck die Hand nur bis zum Knie bringt - , so befasst man sich durch das Zeichnen mit einer Bewegungsweite, die die momentanen eigenen Körpergrenzen überschreitet. Das Wahrnehmen, Denken, Vorstellen bewegt sich somit über die eigenen körperlichen Möglichkeiten hinaus. Dies ist sehr wertvoll und auch eine Art mentales Training, das sich auf die eigene Übungspraxis positiv auswirkt.

 

Indem man hinschaut und zeichnet, bleibt man viel länger mit der Aufmerksamkeit dabei und erlebt leise die harmonische Ordnung oder die Empfindung, die im Vorlagebild zum Ausdruck kommen. Der eigene Empfindungsreichtum kann sehr stark angeregt werden.

 


Studiert man die Sinnbilder bzw. die seelisch-geistige Bedeutung der Asana, so kann man sich auch auf eine spielerische oder fantasievolle Art darin üben, die Stimmung in einer übertragenen Form zum Ausdruck zu bringen.

 

Bei der gedrehten Kopf-Knie-Stellung habe ich beispielsweise versucht, anhand der Morgendämmerung die Empfindung zu dieser Yogaübung darzustellen. Wenn sich am Horizont still der Tag mit einem heller werdenden Farbenspiel ankündigt und sich der Nachthimmel mit den Sternen langsam zurückzieht, ahnt man mit Vorfreude, wie die Sonne hinter dem Horizont wartet, mit ihrer Leucht- und Wärmekraft aufzugehen und die schlafende Erde wieder neu zu beleben. Es entsteht vielleicht eine ähnliche Stimmung und leise Empfindung wie bei der gedrehten Kopf-Knie-Stellung.

Aus der zu den Beinen gewendeten Vorwärtsbeuge dreht sich der Oberkörper und der Kopf mit den Sinnen in eine sensible Offenheit nach außen. Der Oberkörper bleibt bodennah, aber eine sensible wache Stimmung kommt wie eine neue Auferstehung hinzu.

 



Das Kamel ist nicht nur ein einfaches Zurückbeugen, sondern formt sich aus kreisförmigen, wiederholten Bögen mit dem Oberkörper und den Armen, bis die Spannweite und Tragekraft der Wirbelsäule ausreicht, um mit den Händen an den Fersen die Bewegung zur Ruhe kommen zu lassen.

Das Zeichnen und Malen der Yogaübungen ermöglicht es, Formen darzustellen, die man nicht mit den Augen direkt sieht, die aber der Bewegung zugrunde liegen. 

 

Bevor man im Kamel zu den Füßen fasst, holt man mehrfach in kreisförmigen Bewegungen aus. Diese wiederholten Rundungen und Ausdehnungen bewirken eine Stabilität und Ruhe nach innen und eine Offenheit nach außen in den Raum hinaus.

 

Mit den Farben kann man ebenfalls versuchen, eine Charakteristik zu unterstreichen. Hier sollen das Grün und Rosa das lebenskräftig sprießende, spannkräftige Ausgleiten der Wirbelsäule unterstreichen. Für die ruhende Endposition könnte vielleicht blau geeignet sein?


Pfeile können die Zeichnungen ergänzen und die Bewegungsdynamik hervorheben. Dabei wird die Vorstellungskraft herausgefordert. Wo entspringt genau die Bewegung, in welche Richtung fließt sie, wo mündet sie ein? Man kann entdecken, dass die Bewegung immer eine Art Form hat, oder auch, dass sie sich komplementär mit einer anderen Bewegung ergänzt. Hier beim Pflug beispielsweise ergänzen sich die Bewegung der Beine und der Arme: Aus der Rückenmitte entspringt zentrifugal die Ausdehnung in den unteren Rücken und setzt sich über die Hüften und Beine bis zu den Fersen fort. Und wie in einer Gegenbewegung streben die Arme dem Boden entlang in die entgegengesetzte Richtung. Man kann entdecken, wie sich diese beiden Bewegungen gegenseitig ergänzen.

Bei vielen Übungen stellt man sich auch vor, dass die Bewegungsdynamik gar nicht beim "Körperende", also beim Pflug bei den Füßen oder Händen endet, sondern dass sie wie darüber hinaus geht. 

Die Yogaübung kann dann auch auf einfache Linien reduziert werden.

Es ist eine spannende Frage, wie die Linien sein müssen, damit der Ausdruck der Stellung noch gewahrt bleibt, bzw. sich sogar durch die Reduzierung mehr hervorheben kann.



Übungsreihen skizzieren

Man kann auch harmonisch und rhythmisch aufgebaute Übungsreihen einfach und schnell skizzieren, damit bekommt man ein Gefühl für ihren Zusammenhang und die Logik der Reihenfolge.